(von mir Gesammeltes und Angelesenes ohne Gewähr: Verbesserungstipps sind erwünscht)
Allgemeine Hinweise
Falls sich ein IBG-Bauherr entscheidet, die Fliesenarbeiten in Eigenleistung zu übernehmen, so muss er auch die Innenfensterbänke selber einbauen (vgl. die Tipps zu den Fenstern).
Aufgaben des Bauleiters
Die Anwesenheit des Bauleiters ist bei kritischen Phasen erforderlich. Es muss eine Kontrolle der mangelfreien Erstellung der Leistung durch den Bauleiter erfolgen. Dies gilt beispielsweise dann, wenn die erbrachte Leistung später nicht mehr kontrolliert werden kann, weil sie von anderen Bauteilen verdeckt ist. Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Abdichtungsarbeiten gegen Feuchtigkeit und im Hinblick auf den Wärmeschutz.
Bei diesen Arbeiten wichtige DIN-Normen
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Fliesensorten
Man unterscheidet- feinkeramische Fliesen: Steingutfliesen (aufgeschmolzene Glasur) oder Steinzugfliesen (Scharffeuerglasur)
- keramische Spaltplatten: gebrannte tönerne Doppelplatten, die gespalten werden
- Bodenklinkerplaten: aus sinterfähigen Tonen gebrannt, sehr hart und widerstandsfähig
- unglasierte Steinzeugfliesen: haben einen sehr hohen Verschleißwiderstand
- glasierte Steinzeugfliesen: sind durch ihre glatte Oberfläche besonders pflegeleicht, aber auf Dauer empfindlich gegenüber Abrieb - je nach Ariebgruppe (I = schlecht, V = sehr gut).
Keramische Fliesen und Spaltplatten werden in verschiedenen Qualitätsstufen angeboten:- Sorte mit roter Farbmarkierung
Normgerecht - nur auf diese Sorte leisten die Hersteller Gewähr! - Sorte (Mindersorte) mit blauer Farbmarkierung
Fehler oder Farbabweichungen sind vorhanden. - Sorte mit grüner Farbmarkierung
Es sind sogar größere Fehler und Farbabweichungen vorhanden.
Bei den Verschleißgruppen gilt: je höher die Verschleißgruppe, desto stärker beanspruchbar ist der Belag.Prüfungen vor Beginn der Fliesenarbeiten
Die zu fliesenden Oberflächen müssen eben und rissfrei sein. Sollten hier noch Nachbesserungen erforderlich sein, ist unbedingt der Bauleiter zu verständigen, damit der Mangel behoben wird. Darüber hinaus ist bei Fußbodenheizungen ein Aufheizen des Estrichs vor dem Verlegen der Fliesen bzw. Platten zwingend notwendig, damit später keine Beschädigungen in Form von Spannungsrissen auftreten (siehe auch Tipps zu den Estricharbeiten).
Die Restfeuchte des Estrichs muß gemessen werden. Hierzu gibt es Aktiveletroden, mit deren Hilfe eine zerstörungsfreie Feuchtigkeitsmessung möglich ist, Tiefenelektroden, für die Löcher in den Estrich gebohrt werden müssen, und die als gerichtliches Beweismittel anerkannte CM-Methode (Calciumcarbid-Methode), deren Basis die chemische Reaktion von Calciumcarbid mit Wasser zu Acetylen ist. Man sollte darauf bestehen, dass vor Beginn der Fliesenarbeiten die Restfeuchte über die CM-Methode bestimmt wird. Für das Fliesenlegen liegt der Grenzwert eines Anhydritestrichs bei ‹ 0,3 CM-%, bei einem Zementestrich bei ‹ 2,0 CM-%. Trotz allem kann es zu Schäden kommen, da die Feuchtigkeitsmessung nur stichprobenartig erfolgt.
Vor dem Fliesen müssen alle Konsolen montiert werden. Der Elektriker muss Badewanne und Duschtasse erden, bevor der Zugang versperrt wird. Werden Fliesenspiegel gezeichnet, aus denen die Verlegerichtung, Lage von Bordüren, Ausrichtung des Fliesenrasters etc. hervorgehen, müssen diese vorliegen. Das angelieferte Material sollte auf Übereinstimmung mit den ausgesuchten Mustern geprüft werden (Farbigkeit, Oberflächenbeschaffenheit, Güteklasse).Nassräume
Als Nassräume gelten alle Räume mit Bodenablauf (z. B. auch ebenerdig eingelassene Duschtassen). Diese machen besondere Dichtungsmaßnahmen (Anstrich bzw. Dichtungsbahn) unter den Fliesen nötig, damit kein Wasser in angrenzenden Bauteile gelangen kann. Im EFH kann es ausreichen, über einen speziellen Fliesenkleber, der mehrfach entsprechend den Verarbeitungsrichtlinien der Lieferwerke aufgetragen werden muß, die nötige Abdichtung zu erreichen. Durch entsprechendes Gefälle und Abdichtungen wird Spritzwasser und Kondensat an Wannenanschlüssen, Raumecken, Durchdringungen und unter Belägen abgeleitet. Unbedingt ist darauf zu achten, dass kein Wasser auf waagerechten Flächen, besonders auf elastischen Fugen, stehen bleibt (Schimmelgefahr). Durch Wasserdampf kann es sogar zu Diffusionsschäden in benachbarten Räumen oder an Außenwänden kommen (sich ablösende Tapeten, Feuchteflecken, quellende Möbel).
An Badewanne und Dusche müssen Revisionsöffnungen (fehlende Revisionsmöglichkeiten gehören zu den typischen Planungsfehlern, die erhöhte Wartungskosten oder sogar Zerstörungen verursachen können) vorgesehen werden und die Wandflächen müssen mit einem zusätzlichen Feuchtigkeitsschutz versehen werden. An Armaturen und anderen Wanddurchdringungen sind spezielle Abdichtungselemente notwendig, z. B. gibt es für Armaturen Abdichtungselemente als Wandscheibe (Ako/Sikla), Dichtscheibe (Geberit), Dichtmanschette (PCI) oder Wanddurchführung mit Dichtscheibe (VIEGA).
Gips hat im Badbereich eigentlich nichts verloren, weder als Gipsputz noch als Anhydrit-Estrich. Dies liegt daran, dass Gips unter Feuchtigkeitseinwirkung allmählich seine Festigkeit verliert und es zu Ausblühungen kommt. In der Folge lösen sich Fliesenkleber und Fliesen ab - und falls vorhanden, eine nicht lückenlose Abdichtung. Dies geht hervor aus der DIN 18550 Putz, dem ZDB-Merkblatt Hinweise für die Ausführung von Abdichtungen im Verbund mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich, Merkblätter des Informationsdienstes für Holz, Technische Merkblätter der Gipsplattenhersteller, der Fiesenmörtelhersteller und der Abdichtungsstoffhersteller. Auch der Fachverband des Deutschen Fliesengewerbes und die Stuckateurinnungen lehnen Gips im Badbereich ab.
Als Gegenmaßnahme kommt die wasserdichte Versiegelung von Anhydrit-Estrich (vgl. Tipps zu den Estricharbeiten) und Gipsputz in Frage, wird aber in Gutachterkreisen nicht unbedingt als ausreichend angesehen (sprich: besser keine gipshaltigen Baustoffe im Badbereich verwenden). Die Abdichtung muss zweilagig aufgebracht werden (geht aus den Herstellerrichtlinien klar hervor). In Kantenbereichen müssen Dichtbänder mit ausreichender Bewegungsreserve aufgebracht werden, die in Flächenabdichtung ausreichend eingebettet sein müssen. Alle Durchdringungen müssen ebenfalls dauerhaft durch Manschetten abgedichtet werden. Auch hinter und unter Wannen bzw. Duschen muss abgedichtet werden - auch bei Verwendung eines Hartschaumträgers! Oft werden Abdichtungen an den Türanschlüssen vergessen.
Auch Holzwerkstoffe sind für den Einsatz im Bad ungeeignet. Sie müssen immer mit zusätzlichen Bekleidungen und Abdichtungen gegen Feuchte geschützt werden.
Der Estrich zwischen Bad und angrenzendem Raum muss nicht nur durch eine Trennschiene unterbrochen werden, es muss auch ein Abdichtungsanschluss erfolgen. Eine Anstauschwelle verhindert, dass Wasser vom Bad auf die nicht abgedichteten Bodenflächen angrenzender Räume gelangen kann.
- Da die Wärmedämmung unter dem Estrich schrumpfen kann, ist im Randbereich ein Fliesenaufbau nötig, der sicherstellt, dass die Fuge in der Lage ist, mögliche Höhenveränderungen in der Wärmedämmung auszugleichen. Dieser Aufbau ist folgendermaßen möglich:
- zwischen Wand- und Bodenfliesen muß ein Zwischenraum für eine ausreichend dimensionierte Fuge eingeplant werden; diese Fuge wird in der senkrechten Wand, niemals in der horizontalen Bodenfläche im Bereich zwischen Boden und Wand angeordnet
- die Wandfliesen werden von unten an beginnend gesetzt, so dass die Bodenfliesen aber noch darunter geschoben werden können
- die Bodenfliesen werden erst nach vollständiger Verfliesung der Wände gesetzt; sie werden unter die Wandfliesen geschoben
- in die Fuge wird eine geschlossenzellige Schnur eingelegt
- die Kontaktflächen der Fuge werden gesäubert
- die Fuge wird durch Dichtstoff verschlossen
Verlegen im Innenbereich
Meist werden die Fliesen im Dünnbettverfahren verlegt. Für Fliesen, die auf Heizestrich verklebt werden, sind elastoplastische Kleber zu verwenden, damit geringfügige Ausdehnungen aufgrund der Temperaturschwankungen der Fußbodenheizung ausgeglichen werden. Zuerst werden die Wände belegt, dann der Boden. Fußbodenplatten müssen unter die Sockelleisten an der Wand geführt werden und dürfen nicht einfach vor diesen enden. Bei den Wandauslässen der Sanitärgegenstände sollte der Fliesenleger nicht anstückeln, sondern die Auslässe mit sauber geschnittenen Fliesenstücken ordentlich umrahmen. Löcher der Fliesendurchführungen für Armaturen müssen durch die Abdeckrosetten vollständig überdeckt werden.
Problematisch sind geschäumte Wannenträger, da diese schlechtere Wärmeleiter als mineralische Baustoffe sind. Das hat zur Folge, dass sich die Bekleidungen mit Fliesen stärker ausdehnen und zusammenziehen, so dass besondere Kleber und Eckausbildungen nötig werden.
In Eckbereichen von Wänden z. B. im Bad müssen mindestens 3 mm breite Fugen vorgesehen werden, um die Dilatation der Fliesen auszugleichen. Werden die Fliesen dagegen press gestoßen, können die Fliesen bedingt durch thermische Ausdehnung u. U. samt Untergrund abgeschert werden.
Herunterfallende Fliesen können aber auch ihre Ursache darin haben, dass die Verarbeitungszeit (Tropfzeit; je nach Hersteller 20 bis 30 min) des Klebers überschritten wurde. Dies passiert, wenn der Fliesenleger den Kleber in größerer Menge anmacht und anziehende Reste noch einmal mit Wasser und etwas Pulver verdünnt. Eine andere Ursache besteht darin, dass er den Kleber großflächig aufzieht und dann die Fliesen ansetzt. Während er arbeitet, bildet sich nach der Tropfzeit auf dem Kleber eine dünne Haut, so dass keine kraftschlüssige Klebeverbindung mehr zu den Fliesen hergestellt werden kann. Die Fliesen halten allein durch Adhäsion.
Fliesen, die unvorsichtig transportiert wurden und daher Eckbrüche aufweisen, gehören nicht verarbeitet. Schnittkanten sollen sauber und gerade sein.
Höhenversätze nebeneinander liegender Platten sollen vermieden werden. Mehr als 1 bis 1,5 mm (letzteres bei Fliesen mit unebener Oberfläche) sind zuviel. Als Stolperstellen gelten Höhenunterschiede ab 4 mm.Fugen
An allen Eck-, Wand und Bodenanschlusspunkten darf kein Fugenmörtel verwendet werden, sondern es muß dauerelastische Fugenmasse zum Einsatz kommen. An Übergängen zu anderen Bodenbelägen werden meist Metallschienen in den Fliesenboden eingelassen. Durchstoßungspunkte von Leitungen durch Fliesenbeläge sollten mit dauerelastischem Material abgedichtet werden, um Schallbrücken zu vermeiden. Die Fugenbreite muss mit ca. 5 mm ausreichend dimensioniert sein, um Bewegungen des Estrichs auszugleichen.
An den Übergängen von Bade- und Duschwanne zu den Wandfliesenbelägen treten besonders starke thermische Längenänderungen auf. Daher muss die Übergangsfuge elastisch verschlossen werden. Die Haltbarkeit dieser Fuge ist vom Fugenquerschnitt abhängig und sollte bei einer üblichen Fliesendicke von 3 mm ebenfalls 3 mm betragen. Bei zu schmalen oder Pressfugen kann die Fugenmasse die Anforderungen als Abdichtung nicht erfüllen.
Bei Marmorbelägen ist darauf zu achen, dass das Fugenmaterial für Marmor tauglich ist.
Treten nach einiger Zeit Verfärbungen der Fugen auf, so ist dies ein Indiz für eine Pilz- oder Algenbildung. Sie tritt auf, wenn Wasser hinter die Fliesen gelangt und durch die Fungen allmählich wieder austritt.
Der Begriff "Wartungsfuge" ist übrigens normativ belegt (lt. DIN 52460 sind damit besonders beanspruchte Fugen gemeint, wie z. B. elastische Dichtstofffugen in Brauereien, Chemiebetrieben etc.) und trifft nicht auf Abrisse von dauerelastischem Fugenmaterial zwischen Sockel und Fußbodenbelag zu, die durch Schüsselung und Dämmstoffnachgiebigkeit (i. d. R. 5 mm) entstehen und durchaus vermeidbar sind. Solche Schäden liegen also selbst in häuslichen Bädern noch im Rahmen der Gewährleistung, insbesondere dann, wenn eine abweichende Regelung bei Vertragsabschluss nicht getroffen worden ist!