(von mir Gesammeltes und Angelesenes ohne Gewähr: Verbesserungstipps sind erwünscht)
Allgemeine Hinweise
Mit der Bekämpfung des Schimmels ist es nicht getan - in jedem Fall muss der Grund für das Schimmelwachstum beseitigt werden. Ursache für Schimmelwuchs kann ein Baumangel sein, seltener ist es mangelhaftes Heizen und Lüften durch die Bewohner.
Aufgaben des Bauleiters
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wichtige DIN-Normen, etc. zur Vermeidung des Schimmelpilzwachstums durch Feuchteschäden
Mindestwärmeschutz: (DIN 4108-2:2001-03)
Schutz vor Schlagregen: (DIN 4108-3)
Abdichtung gegenüber aufsteigender Bodenfeuchte: (DIN 18195)
Regelgerechte Dachkonstruktion: (Handwerkliche Richtlinien)
Wasserdichte Installationen
Was ist Schimmel?
Den Begriff „Schimmelpilze“ verwendet man als Sammelbegriff für Pilze, die typische Pilzfäden und Sporen ausbilden können. Schimmelpilze bilden in der Wachstumsphase meist farblose Zellfäden ("Myzel"). Dadurch können sie in dieser Phase normalerweise mit dem bloßen Auge nicht erkannt werden. Zur Vermehrung und Verbreitung bilden Schimmelpilze „Sporen“. Diese sind oft gefärbt, so dass der Schimmelpilzbefall in diesem Stadium mit bloßem Auge (zum Beispiel als schwarze oder gelbe Schimmelpilzflecken) erkennbar wird.
Von einigen Schimmelpilzen (bzw. ihren Sporen) gehen erhebliche gesundheitliche Gefahren (vor allem allergische Reaktionen) aus, andere werden zur Verfeinerung von Lebensmitteln verwendet ("Schimmelkäse", "Schimmelsalami", ...).
Die häufigsten, bei Schimmelpilzbelastungen im Innenraum beschriebenen, Symptome sind unspezifisch, so zum Beispiel Bindehaut-, Hals- und Nasenreizungen sowie Husten, Kopfweh oder Müdigkeit. Allergische und reizende Wirkungen können sowohl von lebenden als auch von abgestorbenen Schimmelpilzen ausgehen, während zur Auslösung von Infektionen nur lebende Schimmelpilze befähigt sind. Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) kommen nur sehr selten und nur bei besonders empfänglichen, stark immungeschwächten Personen vor.Was braucht der Schimmel, um sich wohl zu fühlen?
Damit Schimmelpilze gedeihen können, benötigen sie länger anhaltende ausreichende Feuchte (Luftfeuchte von 65- 85%) an der Oberfläche des Materials. Besonders
gute Wachstumsbedingungen finden sich immer dann, wenn es zu Tauwasserbildung auf oder im Material kommt.
Außerdem brauchen Schimmelpilze zum Gedeihen noch ein organisches Material als Nahrungsquelle (=Substrat) wie Holz, Tapete, Kleister, Dispersionsfarben, Kunststoffe, Leder etc. Selbst Stoffe, die an sich frei von Substrat sein sollten, können befallen werden, wenn sie mit organischen Stäuben (normaler Hausstaub reicht) behaftet sind, z. B. Glas.
Die Mindesttemperatur für das Myzelwachstum beträgt 0°C, ideale Wachstumtemperaturen liegen zwischen 20 und 45°C.Baubedingte Schimmelursachenn
Als Ursachen kommen z. B. in Frage:
- eingeschlossene Baufeuchte
Nach einem schnellen Mauerwerksrohbau mit aufgesetztem Dachstuhl und einer fast dichten Delta-Bahn unter der Eindeckung folgen ohne Trocknungszeiten der Innenputz an Wand und Decke, danach gleich der schwimmende Estrich. Im schlimmsten Fall ist der Rohbau bereits vor dem Verputzen geschlossen (Einbau der Fenster). Die überwiegende Menge des verwendeten Bauwassers (das als Verarbeitungshilfe nötige Anmachwasser) muß verdunsten, nur ein kleiner Teil wird bei der Hydrierung oder Carbonatisierung der Baustoffe gebraucht. Je nach Bauteilvolumen sind das hunderte bis tausende Liter, die an die Raumluft abgegeben werden müssen. Erst wenn alles Anmachwaser verdunstet ist, wird der Bau nachhaltig trocken. In der Regel dauert das seine Zeit (Wochen, Monate, Jahre). - Einbau zu feuchten Holzes
Der Wassergehalt im Holz beim Einbau darf 20% nicht überschreiten. - Regen während der Bauzeit
- Wärmebrücken
Jeder kennt das Phänomen: man nehme eine Bierflasche aus dem Kühlschrank, und innerhalb einer mehr oder weniger großen Zeitspanne beschlägt deren Außenfläche und es beginnt Schwitzwasser an der Flasche herunterzulaufen. Im Sommer bemerkt man dieses wesentlich deutlicher als im Winter. Dieses Wasser stammt aus der Umgebungsluft der Flasche, die aufgrund deren Kälte ebenfalls abkühlt und ihre Feuchte nicht mehr halten kann und diese an die Flaschenoberfläche abgibt.
Nicht anders funktioniert eine Wärmebrücke, besser wäre wohl der Begriff "Kältebrücken": an kalten Oberflächen, die z. B. durch lückenhafte Isolierung gegeben sind, kondensiert Wasserdampf aus der Raumluft, weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme. So werden ideale Bedingungen für Schimmelwuchs geschaffen.
Auch eine wasserdampfdiffusionstechnisch falsche Schichtenfolge oder eine insgesamt mangelhafte Wärmeschutzausführung können zur Wasserdampfkondensation an bzw. in Bauteilen führen. - Undichtigkeiten in der Dampfsperre
Wird die Dämmung eingebracht, aber die Dampfsperre zunächst noch weggelassen, kondensiert die Baufeuchte in der Dämmschicht - das kann sogar so weit reichen, dass das Dämmmaterial ausgetauscht werden muss oder der Dachstuhl zu schimmeln beginnt. Ein weiteres Problem ist, dass die Feuchte aus dem nicht kapillar wirksamen Dämmmaterial nur sehr langsam wieder heraus zu bekommen ist.
Ist die Dampfsperre nur stellenweise undicht, stellen sich ebenfalls (vielleicht augenscheinlich nicht sofort erkennbare) Feuchteschäden ein. Wärmere Innenluft gelangt in unkontrollierbare kältere Bereiche mit der möglichen Folge der Kondensatbildung in der Dämmung - ohne dass es bemerkt wird. Dies ermöglicht am Holz die nötigen Bedingungen für einen Befall durch Schimmelpilze, später vielleicht sogar für einen Befall durch holzzerstörende Pilze. - Konstruktiv bedingte fehlende Lüftungsmöglichkeiten in Feuchträumen
- Wasserschäden (undichtes Dach, Balkon, Rohrbrüche, etc.) und mangelhafte Schlagregensicherheit
- kapillar aufsteigende Feuchtigkeit
Wurden die Sperrschichten nur mangelhaft oder gar nicht eingebaut, so kann Wasser kapillar eindringen. Dies kann z. B. bei erdberührenden Bauteilen gegeben sein mit der Folge, dass Schimmel im bodennahen Wandbereich auftaucht (möglicherweise durch fehlende Abdichtung der Bodenaufstandsfuge des Mauerwerks, fehlende Horizontalabdichtung, fehlende Außenwandverkleidung).
Beim Neubau ist der Schimmelpilzbefall überwiegend eine Folge einer vertragswidrig erbrachten Werksleistung, eines Planungsfehlers oder eines Koordinationsversagens. Es ist im Regelfall die mangelhafte Werkleistung durch ein mängelfreies vertragsgemäßes Werk umgehend und kostenlos zu ersetzen, bzw. der nach einem Planungsfehler oder einem Koordinationsversagen entstandene Schaden zu ersetzen. Schwierigkeiten bereitet hier manchmal die Durchsetzung des Bauvertrages gegen die Baufirma.
Undichtigkeiten in der Gebäudehülle, die zur Kondensatbildung und damit Schimmelbildung führen können, lassen sich durch einen Blower-Door-Test finden. Kältbrücken, die ebenfalls Ursache einer Kondensatbildung sein können, sind durch thermografische Verfahren aufzuspüren.- eingeschlossene Baufeuchte
Durch die Bewohner bedingte Schimmelursachen
Um Schimmel zu vermeiden sollten die Bewohner darauf achten,- ausreichend zu heizen: ein kalter Raum darf nicht durch eine offene Tür "mitgeheizt" werden
- ausreichend zu lüften: wenige Minuten Querlüftung, mehrmals täglich
- nicht mit gekippten Fenstern lüften: die Bauteile, insbesondere die Fensterlaibungen, werden sonst zu stark ausgekühlt und es kommt zur lokalen Tauwasserbildung
- nach hoher Feuchtigkeitsentwicklung direkt nach außen lüften, z. B. nach dem Baden
- dass die Luft an Außenwänden frei zirkulieren kann (keine Schränke direkt an der Wand, keine Bilder, keine schweren Vorhänge, etc.)
Vorbeugung
Einen Neubau sollte man trocknen, z. B. durch geeignete Lüftungsmaßnahmen. Diese basieren darauf, dass kalte Luft in das Gebäude hineingelassen wird, sich dort erwärmt und dabei Feuchtigkeit aufnimmt und dann wieder gegen kalte Außenluft gewechselt wird. Unter Umständen muß man den Bau dafür beheizen. Auch ein Bautrockner (oder besser gleich zwei; kann man leihen) kann Abhilfe schaffen, am besten in Kombination mit Bauheizern und luftigen Folienfenstern.
Im bewohnten Gebäude sollte man darauf achten, dass- Möbel mit einigen Zentimeter Abstand zu Boden und Wand aufgestellt werden, damit eine Luftzirkulation möglich ist
- Bad und Küche wärmer sind als die übrigen Räume
- die relative Luftfeuchte bei 45 - 55 % liegt (Hygrometer verwenden)
- die Wandoberflächentemperaturen der Außenwände nicht unter 15°C liegen
- mehrmals (2 - 5 x, je nach Anwesenheitsdauer) über den Tag verteilt stoßweise wenige Minuten quer durch die Wohnung gelüftet wird, auch bei Regenwetter.
- etwa wöchentlich den Rand von Wanne und Dusche mit einem geeigneten Reinigungsmittel säubern
Ein deutliches Indiz für eine zu hohe Raumfeuchte sind ständig innen beschlagene isolierverglaste Fensterscheiben.Schimmelbekämpfung
Eine Bekämpfung des Schimmelpilzbefalls muß durch Beseitigung der Ursachen erfolgen!!!
Sofortmaßnahmen
Bei umfangreichem Befall sollte der betroffene Bereich abgedichtet und gegen Zutritt zu gesperrt werden. Eine ausreichende Lüftung nach draußen entspannt die Belastung erheblich.
Um eine provisorische, zwischenzeitliche Desinfektion an Befallsbereichen zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:- Wasser und normaler Haushaltsreiniger
Nachteil: nur bei glatten Oberflächen (Metall, Keramik, Glas) anwendbar - trockene Flächen mit 70% Alkohol desinfizieren, feuchte mit 80% Alkohol
Nachteil: Explosionsgefahr, daher bei offenem Fenster ohne Zündquelle arbeiten! - Flächen mit einer frischen Lösung eines Mittels zur Chlorierung von Badewässern (Swimmingpools, z.B. auf Basis des Natriumsalz der Dichloroisocyanursäure)
Nachteil: relativ giftig - Einsprühen mit einer ca 2-5%igen Wasserstoffperoxidlösung, Einwirkung über Nacht, dann abspülen
Nachteil: Wasserstoffperoxid bleicht Farbiges aus - Unter Umständen können befallene Bauteile gewechselt werden, z. B. verschimmelte Fugenmasse im Abdichtungsbereich einer Dusche, Tapeten, Gipskartonplatten, Textilien, etc.
- Holzbläue (oberflächlicher Befall)
Normalerweise kein Sanierungsbedarf; aktiv mit sporenbildendem Schimmel befallenes Holz hingegen ist sehr schwer zu sanieren und muss meist entsorgt werden. In Ausnahmen kann ein oberflächlicher Befall durch Abschleifen entfernt werden.
Ursachenforschung
- Gibt es kalte Wandbereiche oder einen erkennbaren Niederschlag von Kondenswasser?
- Ist die Dämmung intakt?
- Sind Dampfsperren lückenlos?
- Ist die Luftzirkulation behindert, z. B. durch Schränke, die zu dicht an der Wand stehen? (Abstand zu Außenwänden sollte 5 - 10 cm betragen; an Außenwänden sollten keine Einbauschränke installiert werden)
- Wird richtig geheizt und gelüftet?
- Ist der Neubau richtig durchgetrocknet?
- Wasser und normaler Haushaltsreiniger
Weiterführende Links:
Schimmelrubrik bei www.holzfragen.de
Umweltbundesamt bietet die Broschüre "Hilfe! Schimmel im Haus Ursachen - Wirkungen - Abhilfe" und einen "Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen" zum Download an
www.Baustoffchemie.de, Informationen und Linklisten zu diversen Themen (also nicht nur zu Schimmel)