(von mir Gesammeltes und Angelesenes ohne Gewähr: Verbesserungstipps sind erwünscht)
Allgemeine Hinweise
Die Trockenbauarbeiten sind ein sehr fehleranfälliges Gewerk. Wird hier nicht gewissenhaft gearbeitet, sind spätere gravierende Bauschäden vorprogrammiert. Auch die Anforderungen an den Schallschutz gegen Außenlärm müssen erfüllt werden.
Manche Fachleute vertreten die Auffassung, dass ein Dachstuhl nicht für den Trockenausbau geeignet ist: die Dampfsperre ist nicht völlig dicht, so dass es im Winter in der Dämmung zur Kondensatbildung kommt mit der Folge einer verminderten Dämmwirkung. Im Sommer soll diese Feuchtigkeit dann wieder abtrocknen, aber ob sie dies in schattigen nach Norden ausgerichteten Dachflächen tut ist fraglich - so dass es im nächsten Winter eine noch höhere Wasserbelastung ansteht. In der Folge leidet auch das Holz des Dachstuhls. Es ist auch möglich, dass ganze Dämmausfachungen (durch das höhere Gewicht bei Wasserbelastung) abrutschen - im Winter sind die entsprechenden Dachbereiche dann an Schneefreiheit zu erkennen. Will man auf den risikoanfälligen Trockenbau verzichten, kann man auf ein Massivdach zurückgreifen, z. B. aus vorgefertigten Ziegelelementen.
Aufgaben des Bauleiters
Die Anwesenheit des Bauleiters ist bei kritischen Phasen erforderlich. Es muss eine Kontrolle der mangelfreien Erstellung der Leistung durch den Bauleiter erfolgen. Dies gilt beispielsweise dann, wenn die erbrachte Leistung später nicht mehr kontrolliert werden kann, weil sie von anderen Bauteilen verdeckt ist. Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Abdichtungsarbeiten gegen Feuchtigkeit und im Hinblick auf den Wärmeschutz.
Bei diesen Arbeiten wichtige DIN-Normen
DIN 4108
Außenabdichtung
Dämmung
Bei Einbringen der Dämmung darf die Feuchtigkeit des Holzes nicht zu hoch sein, da diese später kaum noch entweichen kann und jahrelang zwischen Unterspannbahn und Dampfsperre "vagabundiert". In der Folge sind Schäden am Dachstuhl zu erwarten. Aus dem gleichen Grund sollte das Dämmen und Anbringen der Dampfsperre vor dem Verputzen und Einbringen des Estrichs erfolgen, da diese Gewerke die Baufeuchtigkeit extrem erhöhen. Wird ein Dachboden über bewohnten Räumen nachträglich während der Heizperiode ausgebaut, muss darauf geachtet werden, dass die warme Raumluft nicht in die kühlere Baustelle gelangt (z. B. Spitzbodenluke immer sofort wieder verschließen), da sie beim Abkühlen sehr viel Feuchtigkeit in das Bauwerk einträgt.
Laut IBG-Baubeschreibung (2003) wird zwischen den Sparren der Dachschrägen und Kehlbalken eine Mineralfaserdämmung (18 cm, WLG 040) angebracht. Ob dies ausreicht, kann man durch die Energiebedarfsberechnung, die dem Bauantrag zugefügt werden muß, überprüfen. Wichtig ist, dass rundum lückenlos gedämmt wird (also auch auf Zwischenwänden), und dass die Dämmung stramm an die Holzbalken angeschlossen ist (selbst kleine Fugen sind fatale Wärmebrücken). Zwischen Dampfbremse und Dämmung darf kein Luftspalt sein, da sonst die Dämmung unwirksam wird (sie wird sozusagen beidseitig belüftet; Tauwasser bildet sich auf der Dampfbremsfolie im Innenraum). Selbst wenn der Spitzboden gedämmt ist, sollte der Bereich zwischen den Kehlbalken trotzdem gedämmt werden.
An Dachflächenfenster muss die Dämmung dicht gestoßen werden, damit keine Wärmebrücken entstehen. Optimal sind Innenfutter, die von den Herstellern der Dachflächenfenster angeboten werden und an die die Form des Dämmmaterials angepasst wird. Ansonsten kommt es sehr leicht zur Schimmelbildung an Fenster oder Laibung.
Wird eine Dämmung zwischen den Sparren verlegt, so muss eine Hinterlüftung gewährleistet sein; der Sparren sollte also 4 cm dicker als das Dämmmaterial sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn keine absolute Winddichtigkeit durch die Unterspannbahn erzielt wird (z. B. weil sie unten lose aufliegt).
Eine Vollsparrendämmung (ohne Hinterlüftung) ist in der Ausführung handwerklich schwieriger umzusetzen und setzt eine besondere Luftdichtigkeit voraus.Dampfbremse/Dampfsperre
Gelangt im Winter warme, feuchte Raumluft durch Leckagen in die Dachkonstruktion, kühlt sie auf ihrem Weg ab und verliert Feuchtigkeit. Diese schlägt sich in der Dämmung nieder, durchnässt sie, die Dämmwirkung sinkt, noch mehr Feuchtigkeit schlägt sich nieder und die Dämmung wird dauerhaft geschädigt. Die innen angebrachte Dampfbremse - eine Folie - soll diesen Prozess verhindern. Sie ist umso undurchlässiger für den Wasserdampf, je größer ihr sd-Wert ist. Die Dampfsperre muss unmittelbar nach der vollständigen Dämmung angebracht werden, damit sich kein Kondensat in dieser niederschlägt (vgl. "Dämmung").
Die Dampfsperrfolie muss über die Fußpfette hinweg geführt werden. Sie darf keine Beschädigungen aufweisen. Sehr kritisch sind Bereiche, in denen die Folie durch Rohre oder Fenster unterbrochen wird (Abklebung oder Spezialmanschette, z. B. von Eisedicht, erforderlich). Ist die Beplankung bereits erstellt, dann ist der Anschluss nachträglich ausgeschnittener Bereiche (z. B. für Rohre) ohne größeren Aufwand nicht mehr dicht herzustellen! Auch an das Mauerwerk muss die Dampfbremse sehr sorgfältig angeschlossen werden und über Innenwänden hinweggeführt werden (damit Diffusionsfeuchtigkeit nicht den Spitzboden/die Kehlbalkenlage erreicht).
Die Stöße der Dampfsperre werden verklebt (IBG-Baubeschreibung 2003). Sie müssen dafür ausreichend überlappen. Wird hier unsachgemäß gearbeitet, sind Schäden durch Durchfeuchtung vorprogrammiert! Aber: Es ist anzuraten, bei der Verarbeitung von Dampfbremsfolien die Verklebungen zusätzlich mit einer Anpresslatte zu sichern wie die DIN 4108 dies auch empfiehlt. Bei einer ausschließlichen Verklebung von Folienstößen und Überlappungen hat sich gezeigt hat, dass die Verklebungen durch Spannungen in den Folien wieder gelöst werden können. Außerdem kann Wasser die Klebeschicht unterwandern und für ein An- bzw. Ablösen des Klebers sorgen.
Im Übergangsbereich von Mauerwerk und Trockenbau, müssen die auf dem Mauerwerk angeklebten (z.B. mit Primur von der Fa. SIGA) überlappenden Streifen der Dampfbremse mit eingeputzt werden. Um dauerhafte Luftdichtheit zu garantieren, ist bei der Verlegung der Dampfbremse darauf zu achten, daß eine genügend große Schlaufe angeordnet wird, damit Materialspannungen abrißfrei verkraftet werden. Der später aufgetragene Putz wird durch eine Fuge (Kellenschlag) vom Gipskarton getrennt. Durch die so geschaffenen Bewegungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Bauteile (Mauerwerk, Dachstuhl mit Trockenausbau) werden Putzrisse bzw. Abplatzungen größerer Putzteile vermieden. Die Kellenschlag-Fuge kann mit Acryl dauerelastisch verschlossen werden.
Auch unter dem Innenfutter eines Dachflächenfensters ist eine Dampfsperre erforderlich. Diese wird an vom Hersteller (bzw. Dachdecker) vorbereiteten Anschlüssen am Rahmen des Fensters verklebt.Treppe
Die Bodeneinschubtreppe muss wärmegedämmt sein und durch eine umlaufende, funktionierende Lippendichtung abgedichtet sein.Blower Door
Der Blower-Door-Test dient der Überprüfung der Winddichtigkeit des Gebäudes. Er sollte vor der Beplankung erfolgen, da sich dann Schäden an der Dampfbremse noch leicht ausbessern lassen. Auf jeden Fall sollte er *vor* dem Verspachteln der Fugen stattfinden, da die Verfugung eine zusätzliche Abdichtung darstellt, die die Messung verfälscht.
Beplankung
Die Beplankung erfolgt mit Gipskartonbauplatten auf Traglattung, die in den Nassräumen imprägniert sind (IBG-Baubeschreibung). Die Schnittstellen müssen nachimprägniert werden, sofern keine durchimpägnierten Platten verwendet wurden.
Werden Gipskartonplatten über längere Zeit belichtet oder einer überhöhten Feuchtigkeit ausgesetzt, färben sie sich Gelb-Braun (wie altes Zeitungspapier). Die Gilbstoffe schlagen auch durch spätere Anstriche oder Tapeten durch und entstehen durch eine fotochemische Reaktion des Lignins aus dem Karton. Daher dürfen vergilbte Platten in der oberen Beplankung nicht verarbeitet werden.
Die Stärke der Gipskartonplatten hat übrigens Einfluss auf den Schallschutz gegen Außenlärm: je dicker die Platte, desto besser der Schallschutz. Standard ist eine Dicke von 12,5 mm, besser sind 25 mm oder sogar 30 mm. Das zusätzliche Gewicht muss natürlich statisch berücksichtigt werden.
Die Trockenbauplatten dürfen keinen direkten Kontakt mit dem schwimmenden Estrich erhalten (Schallbrücken). Um den Schallschutz zu gewährleisten, müssen Anschlüsse z. B. an Decke und Rohboden elastisch ausgeführt werden.
Unter dem Bereich von Plattenstößen sollte immer eine Latte vorhanden sein, an der die beiden Platten angeschraubt wurden. Mittels Richtlatte lässt sich überprüfen, ob die Verkleidung eben ausgeführt wurde.
Die Schnittkanten der Gipskartonplatten müssen unbedingt vom Trockenbauer v-förmig angeschrägt werden.
An Dachflächenfenstern empfiehlt sich die Verwendung eines vom Hersteller vorgefertigten Innenfutters. Die Form ermöglicht eine optimale Dämmung und Konvektion, so dass Schimmelbildung vorgebeugt wird. Fensterbänke unter Dachflächenfenstern sollten vermieden werden, da sie die Konvektion behindern.Verspachteln der Fugen
Dies muss ein IBG-Bauherr in Eigenleistung durchführen. In die Fugen sollte man ein Bewehrungsmaterial (z. B. Gewebe) einlegen. Zuerst werden die Stoßfugen gefüllt und die Schraublöcher überzogen. Beim Nachspachteln sorgt man dann für einen stufenlosen Übergang zur Plattenoberfläche und zieht die Fuge breit ab. Sollten Grate zurückbleiben, so schleift man die verspachtelten Bereiche nach dem Trocknen nach. Das Ergebnis ist eine "bessere" Q2-Verspachtelung (Standardverspachtelung).
In Nassräumen ist darauf zu achten, dass man einen feuchtraumgeeigneten Spachtel verwendet.
Im Kunstlicht (Streiflicht) kann man prüfen, ob die Spachtelung plan genug erfolgt ist. An Ecken empfiehlt es sich, spezielle Eckschutzschienen für den Trockenbau einzuspachteln, um gerade und haltbare Kanten zu erhalten.
Die Kellenschlag-Fuge (vgl. Dampfbremse/Dampfsperre) kann mit Acryl dauerelastisch verschlossen werden.
